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Willi3Ein Teil meiner Familie mütterlicherseits war ein bunter Haufen von Zugvögeln und Abenteurern; Mutters Bruder ging in die Fremdenlegion, ein anderer fällte in Kanada Bäume. Onkel Werner trieb sich als Grosswildjäger über 30 Jahre lang in Ostafrika herum, sein Cousin Adolphe besass in Katanga eine Kupfermine; er hatte eine schwarze Frau, eine weisse Geliebte und viel Geld.

Gelegentliche Familientreffen in der biederen Schweiz wurden für mich – ich war da gerade mal fünf oder sechs Jahre alt - zu Orgien von Farben, Tönen, Gerüchen, Eindrücken, Visionen, wilden Tieren, endlosen Landschaften....

Familiär vorbelastet, gab es für mich nie etwas anderes als Afrika, Weite, Tiere, Menschen und vor allem persönliche Unabhängigkeit, Freiheit von Geist und Körper – nichts über mir als der unendlich hohe, blaue Himmel. Ich wollte, seit ich denken kann, reisen, schreiben, fotografieren, Bücher machen, aus der geistigen und räumlichen Enge der Schweiz ausbrechen.

 

1966, im Alter von 25 Jahren, fuhr ich, zusammen mit meinem jüngeren Bruder, und einem VW-Bus, der fast so alt war wie wir, mit dem Schiff nach Mombasa. Ein halbes Jahr lang reisten wir kreuz und quer durch Kenia, Tansania und Uganda; ich hatte meine wirkliche Heimat gefunden! Wir waren jung, enthusiastisch, voller Neugier, grenzenlos optimistisch und lebenshungrig. 1969 erschien mein erstes Buch, „Ruf der Tiere“, das selbst von der elitären „Neuen Zürcher Zeitung“ sehr wohlwollend besprochen wurde.

Drei Jahre später, im Januar 1972, wagte ich den Sprung ins Ungewisse, bezeichnete mich fortan als ‚freiberuflicher Reiseschriftsteller und Naturfotograf’ und fuhr auf dem Landweg mit meiner zukünftigen Frau Ursula in einem klapperigen Kleinwagen nach Indien. Und so weiter, und so fort.

Willic-klIn den folgenden Jahren entstanden Bücher über Indien, die Rocky Mountains, Hawaii, den Schweizer Nationalpark, die schönsten Wildreservate der Welt, Tierkinder, Naturparadiese, die Tropen, die Alpen, die Nordseeküste und vieles mehr. Inzwischen sind es 60 oder 70 eigene Publikationen; so genau weiss ich das nicht mehr, denn bei 50 habe ich aufgehört, sie zu zählen.

 

Vor einigen Jahren, als ich auf die 60 zuging und die Zeit begann, mir weg zu laufen und mir bewusst wurde, dass ich nicht mehr alles sehen konnte, was mich interessierte, beschloss ich, mich auf meine Wurzeln, mein Afrika, zu beschränken – von kleineren ‚Abstechern’ nach Indien, Australien, Patagonien, Kanada und Galapagos abgesehen.... Afrika ist nun meine Heimat geworden und Kenia
sozusagen mein Haus. Es gibt in Afrika, und mit dieser Meinung stehe ich nicht allein, kein schöneres Land, als die frühere englische Kronkolonie Kenia. Auf kleinem Raum hat es tropische Küsten, Savannen, Halbwüsten, Sodaseen, Regenwälder und Gebirge, Wildparks und 41 verschiedene Ethnien. Damit ich in Kenia nicht zu träge werde, fahre ich jedes Jahr mehrere Monate lang nach
Uganda, Tansania, Sambia, Malawi, Mosambik, Simbabwe, Botswana, Namibia
und Südafrika – und wieder zurück.
Und zwischendurch in die Schweiz und nach Deutschland, Italien, Griechenland und Frankreich, denn auch das gute, alte Europa hat seine angenehmen Seiten. In Europa habe ich allerdings regelmässig Heimweh nach Afrika!